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HDBW-Studie zu Telemedizin
HDBW-Studie: Telemedizin stärkt Dialyse in Bayern
Wie digitale Fernbehandlung die Belastung chronisch nierenkranker Patient*innen spürbar verringert, zeigt die Abschlussarbeit eines HDBW-Studenten. Die gewonnenen Erkenntnisse geben Perspektive für strukturschwache Regionen abseits der großen Dialyse-Zentren.
Die chronische Nierenerkrankung (CKD) betrifft weltweit rund 788 Millionen Menschen – Tendenz steigend. Eine aktuelle Masterarbeit im Studiengang „Digital Business Modelling and Entrepreneurship“ an der Hochschule der Bayerischen Wirtschaft (HDBW) zeigt erstmals qualitativ auf, wie Telemedizin die Versorgungslage von Hämodialyse-Patienten in strukturschwachen Gebieten verbessert. Geforscht wurde auf den Philippinen, doch eine zentrale Frage lautet: Kann dieses Modell auch für den ländlichen Raum in Bayern eine Lösung sein?
Kevin Gálvez, Masterstudent der Wirtschaftsinformatik an der HDBW, hat für seine Abschlussarbeit Dialysepatient*innen und medizinische Fachkräfte in der philippinischen Provinz Bulacan interviewt. Die Ergebnisse sind eindeutig: Telemedizin senkt Transportkosten, erleichtert den Zugang zu Rezepten und Medikamenten und reduziert die emotionale Belastung der Betroffenen erheblich. Die Arbeit wurde von den Gutachtern als herausragend bewertet.
Hybridmodell als Zukunftslösung: relevant auch für Bayern
Sowohl Patient*innen als auch medizinische Fachkräfte befürworten ein hybrides Versorgungsmodell: Routinekontrollen, Rezeptaktualisierungen und stabile Verlaufsbeobachtungen per Telemedizin – komplexe oder akute Fälle weiterhin vor Ort. Dieses Modell lässt sich auf andere Gesundheitssysteme mit ähnlichen Herausforderungen übertragen.
Denn: Auch in Deutschland gibt es strukturschwache Regionen mit Hausarztmangel und langen Wegen zum nächsten Dialysezentrum. Das Bundesgesundheitsministerium hat das Ziel, mindestens 60 Prozent der hausärztlich unterversorgten Gebiete mit telemedizinischen Anlaufstellen auszustatten. Bayerische Pilotprojekte wie „MeDiLand“ in Südbayern zeigen bereits, dass digitale Fernbehandlung im ländlichen Raum funktioniert – allerdings bislang kaum mit Fokus auf Dialysepatienten.
„Die Parallelen sind offensichtlich“, betont Professor Dominik Bösl. „Was in Bulacan auf den Philippinen für Dialysepatienten funktioniert – geringere Transportkosten, schnellerer Zugang zu Rezepten, weniger emotionaler Stress, hat hohe Relevanz für ländliche Gebiete in Oberfranken, der Oberpfalz oder dem Bayerischen Wald, wo Patienten teils 50 Kilometer oder mehr zum nächsten Nephrologen fahren müssen.“
Konkrete Entlastung: weniger Fahrten, Kosten und Stress
Die Studie von Kevin Gálvez belegt, dass Telemedizin Dialysepatient*innen gleich mehrfach entlastet: Patient*innen sparen dadurch Fahrtkosten, da Konsultationen und Rezeptverlängerungen per Videoanruf erfolgen. Über die Telemedizin-Plattformen öffentlicher Krankenhäuser erhalten Patient*innen zudem kostenlosen oder vergünstigten Zugang zu Medikamenten, die ohne die digitale Konsultation nicht ausgegeben werden.
Des Weiteren wird die Kommunikation mit Ärzten einfacher und schneller. Rezepte werden zeitnah aktualisiert, Behandlungslücken zwischen den Dialysesitzungen geschlossen. Besonders für körperlich geschwächte Patient*innen, bietet die Fernkonsultation per Video eine realistische Alternative.
Ein weiterer Effekt: Patient*innen berichten von weniger Stress und Angst, weil sie jederzeit ärztlichen Rat einholen können, ohne reisen zu müssen. Auch Familienangehörige fühlen sich entlastet, weil die regelmäßige Versorgung digital gesichert wird. „Telemedizin ersetzt nicht die Dialysebehandlung selbst – aber sie schließt kritische Versorgungslücken zwischen den Sitzungen“, fasst der betreuende Professor Bösl die Kernaussage der Arbeit zusammen. „Gerade für Patientinnen und Patienten in abgelegenen Regionen ist das ein Gamechanger.“
Exzellente Forschung an einer privaten Hochschule
HDBW-Präsidentin Univ.-Prof. Dr. Kerstin Fink zeigt sich beeindruckt von der Qualität und der gesellschaftlichen Relevanz der Arbeit: „Die Masterarbeit von Kevin Gálvez ist ein Paradebeispiel für das, was unsere Studierenden an der HDBW leisten: wissenschaftlich exzellent und zugleich direkt anwendbar in der Praxis. Herr Gálvez hat nicht nur ein hochaktuelles Versorgungsproblem analysiert, sondern auch Lösungsansätze erarbeitet, die weit über den akademischen Kontext hinaus Wirkung entfalten können. Wir sind sehr stolz auf diese Leistung – sie zeigt eindrucksvoll, dass auch eine private Hochschule für angewandte Wissenschaften Studierende auf höchstem Niveau ausbildet und zu Forschungsergebnissen kommt, die in der Fachwelt und der Öffentlichkeit Gehör verdienen.“
Persönliche Motivation des Forschers
Kevin Gálvez, der aus der Provinz Bulacan stammt und derzeit in Bobingen bei Augsburg lebt, hat die Studie aus persönlicher Betroffenheit heraus konzipiert: Seine Mutter wird seit 2013 mit Hämodialyse behandelt. „Ich habe hautnah erlebt, wie belastend die ständigen Krankenhausfahrten für meine Mutter sind – körperlich, finanziell und emotional. Während der COVID-19-Pandemie war Telemedizin plötzlich die einzige Möglichkeit, ärztlichen Rat zu bekommen. Das hat mich motiviert zu erforschen, wie diese Technologie dauerhaft genutzt werden kann", so Gálvez. „Dass ich jetzt bei einem Unternehmen arbeite, das mit seinen Produkten weltweit genau solche telemedizinischen Versorgungslücken schließt, empfinde ich als großes Glück – beruflich wie persönlich.“
Über die Hochschule der Bayerischen Wirtschaft (HDBW)
Die HDBW mit Sitz in München ermöglicht praxisnahe, akademische Qualifizierung – neben dem Beruf, dual oder im Vollzeitstudium. Das Studienangebot umfasst die Bereiche Betriebswirtschaft, Wirtschaftsingenieurwesen, Wirtschaftsinformatik, Maschinenbau und Digitalisierung. Die HDBW ist eine Gesellschaft der Unternehmensgruppe des Bildungswerks der Bayerischen Wirtschaft e. V.
https://www.hdbw-hochschule.de/
Ansprechpartnerin
Hochschule der Bayerischen Wirtschaft (HDBW)
Edith Axt
Pressestelle der HDBW – Leitung Marketing
Telefon: 089 4567845-32
E-Mail: edith.axt@hdbw-hochschule.de
